8 Jahre 3 Monate her #82
von Luna
Wer nicht widerspricht, wird Organspender
Denkbar knapp war das Abstimmungsergebnis im niederländischen Senat. 38 Ja- und 36 Nein-Stimmen. Damit tritt ab 2020 in den Niederlanden ein neues Organspende-Gesetz in Kraft.
So spannend war eine Gesetzesabstimmung nur selten. Eigentlich sollte die Abstimmung um 14 Uhr schon vorbei sein, doch da war man noch mitten in der Diskussion.
Die Fakten sind nicht wegzureden. Es fehlt an Organ-Spendern in den Niederlanden. 1.100 Patienten stehen derzeit auf der Warteliste. 150 Patienten sterben jedes Jahr, weil das Spenderorgan zu spät kommt. 100 müssen jährlich von den Wartelisten genommen werden, weil sich ihr Gesundheitszustand so verschlechtert, dass eine Transplantation für sie nicht mehr in Frage kommt.
Tom Oostrom, Präsident der niederländischen Nierenstiftung und gleichzeitig Präsident des Dachverbands der Gesundheitsorganisationen begrüßt das neue Gesetz: "Heute sind 60 Prozent nicht registriert. Außerdem muss ein Arzt im schwierigsten Moment überhaupt mit den Angehörigen die Diskussion führen, ob der Verstorbene Organspender sein kann. Da sagen die meisten nein."
Wer sich nicht entscheidet, wird künftig automatisch als Spender registriert
Darum kämpfte Pia Dijkstra, Abgeordnete der linksliberalen D66 für eine Gesetzesänderung. Sie wollte aus der derzeitigen Zustimmungsregelung eine Widerspruchsregelung machen: Nach dem neuen Gesetz sollen alle Bürger gefragt werden, ob sie Organe nach ihrem Tod spenden wollen oder nicht. Wer sich nicht entscheidet, wird automatisch als Spender registriert. Doch man behält die Möglichkeit im Register zu wählen zwischen: Ich stimme zu, ich stimme nicht zu, meine Hinterblieben beschließen oder eine andere Person.
38 Ja- und 36-Nein-Stimmen: ein knappes Ergebnis. Trotzdem ist Pia Dijkstra erleichtert: "Wenn wir knapp verloren hätten, dann hätte man doch auch nur gesagt, wir haben verloren. Ich kann mich einfühlen in die Menschen, die dagegen sind. Darum ist es wichtig, dass wir gut informieren. Jeder kann seine Entscheidung jederzeit ändern."
Die Gegner argumentierten mit Artikel 11 des Grundgesetzes, der die Unantastbarkeit des Körpers und das Selbstbestimmungsrecht festlegt. Sie sind nicht grundsätzlich gegen mehr Organspenden, aber gegen das neue Gesetz. "Es geht ums Prinzip. Die Organentnahme ist eine so persönlich Angelegenheit, dass jeder einzelne sich ganz bewusst dafür entscheiden sollte", sagt Roel Kuper von der ChristenUnie.
Was haltet ihr davon? Gute Lösung oder fragwürdig? Wieder ein Schritt weiter in Richtung allgemeine Endmündigung oder ein Segen für die vielen Spender die sehnlichst warten?
Ich lasse meine Meinung mal außenvor, bleibe mal unparteiisch vorerst.^^
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